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Lebensberatung Herzensmoment: Wenn aus Druck pure Leichtigkeit entsteht

  • Autorenbild: Elisabeth Morri
    Elisabeth Morri
  • 3. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Ein Beitrag zur Blogparade „Herzensmoment“ von Marion Docekal (https://mariondocekal.at/blog/hezensmoment-meine-erste-blog-parade).


Nachdem ich Marions Aufruf zur Blogparade gelesen habe, ist mir dieser eine Gedanke hängen geblieben: WAS IST DENN EIGENTLICH EIN HERZENSMOMENT?


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Elisabeth Morri, BEd MA, Lebens- und Sozialberaterin

Ist es ein Moment, in dem bei mir und meinem Gegenüber die Augen vor lauter Freude/Stolz/ etc. glänzen, oder ist es der Moment der absoluten Zufriedenheit, in der man das eigene Strahlen spüren kann?


Für mich ist es beides. Es sind die leisen, ungeplanten Augenblicke, in denen die Welt ganz kurz den Atem anhält, die Schultern nach unten sinken und eine tiefe Welle der Dankbarkeit durch den Körper strömt.


Als ehemalige Schulleiterin, diplomierte Lebens- und Sozialberaterin und Coach darf ich in meiner täglichen Praxis unzählige Menschen begleiten: Kinder, Mütter, Väter und Einzelpersonen. Und wenn ich auf auf meinen Weg zurückblicke, zieht sich ein goldenes Band durch all die Gespräche und Impulse: Herzensmomente kann man nicht erzwingen, aber man kann sein Feld (oder wie auch immer man dazu sagen mag) dafür öffnen.


Die liebe Marion Docekal hat auf ihrem Blog zu ihrer ersten Blogparade aufgerufen, um genau diesen Inseln der Freude Raum zu schenken. Ein Impuls, der mich sofort tief berührt hat – denn das Bewusstmachen und Sammeln solcher Augenblicke ist nicht nur eine nette Alltagsübung, sondern der tragende Motor für meine gesamte psychosoziale Beratungspraxis.




Wie uns Lebensberatung neue Herzensmomente schenkt


In meiner Arbeit in der Lebensberatung wird der Blick auf jeden einzelnen Herzensmoment zu einer der wertvollsten Ressourcen, um aus dem ständigen Funktionieren wieder in die eigene Lebensfreude zu finden.


Aus der modernen Hirnforschung und Neurobiologie wissen wir, dass das menschliche Gehirn durch eine evolutionär bedingte Verzerrung geprägt ist, den sogenannten Negativity Bias (vgl. Baumeister et al., 2001). Das Nervensystem unserer Vorfahren war darauf programmiert, Gefahren, Mängel und Bedrohungen sofort zu registrieren, um das Überleben zu sichern. Das Gehirn funktioniert dabei wie Klettband für negative Erfahrungen, aber wie Teflon für positive Erlebnisse (vgl. Hanson, 2013).


In der Lebens- und Sozialberatung sehe ich täglich, was dieser chronische Aufmerksamkeitsfokus auf Überforderung und Leistungsdruck im Körper anrichtet: Das sympathische Nervensystem wird daueraktiviert, Cortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet, und die kognitive Flexibilität schrumpft spürbar (vgl. Lupien et al., 2009). Wir geraten in einen Zustand des bloßen Funktionierens und übersehen die zahlreichen Mikromomente der Erholung.


Ein bewusst wahrgenommener Herzensmoment ist aus neurobiologischer Sicht weit mehr als ein flüchtiges Gefühl. Wenn wir einen positiven Augenblick für mindestens 10 bis 15 Sekunden aufmerksam auskosten („Broaden-and-Build“-Theorie nach Fredrickson, 2001), verändern wir aktiv unsere neuronale Architektur. Wohlfühl-Botenstoffe wie Oxytocin, Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet, regulieren den Vagusnerv und schalten das System von Überleben auf Regeneration und Verbundenheit um.


Wann hüpft mein Herz wirklich?

Ich trage eine tiefe Liebe für die feinen Nuancen des Lebens in mir. Ob es ein klärendes Beratungsgespräch ist, der erdende Duft von ätherischen Ölen, die systematische Betrachtung von Familienbeziehungen oder das gemeinsame Sortieren von festgefahrenen Glaubenssätzen: Ein Herzensmoment entsteht immer dort, wo echte Verbindung spürbar wird. Es geht um die Verbindung zu uns selbst, zu unseren Kindern, zur Natur und zu unserem eigenen Rhythmus.


Hand aufs Herz: Was raubt dir im Alltag mit Kind/Familie gerade am meisten Kraft?

  • Lerndruck, Hausaufgaben-Tränen & Schreibtisch-Frust 📝💥

  • Dauerfunktionalität & null Eigenzeit ⏰

  • Reizüberflutung, Streit & Unruhe im Familienalltag 🤯

  • Zerrissenheit & fehlender Fokus ⚖️


Hier sind drei Herzensmomente aus meiner Beraterinnen- und Lebenswelt, die sich tief in mein Herz eingebrannt haben:


1. Das Augenleuchten eines Kindes am Schreibtisch

Aus meiner Zeit als Schulleiterin und Volksschullehrerin kenne ich den enormen Druck, unter dem Familien oft stehen. Wenn Nachmittage von Hausaufgaben-Tränen, Konzentrationsproblemen und Überforderung geprägt sind, zieht sich das Nervensystem aller Beteiligten zusammen. Kein Wunder, oder?


Ein ganz besonderer Herzensmoment aus meiner LSB-Praxis KLIOlogie Home: Ein Volksschulkind ist mit großer Schulangst und einer tiefen mentalen Blockade zu mir gekommen. In den Beratungsgesprächen haben wir an der inneren Haltung, schafften reizarme Strukturen für den Lernplatz, nutzten Atem- und Duftanker und veränderten den Sprachgebrauch weg von Leistungsdruck hin zu lösungsorientierten Impulsen.

Plötzlich, mitten in einer Aufgabe, an der es Tage zuvor noch verzweifelt war, schaute mich das Kind an, die Augen wurden ganz weit und es rief strahlend:


„Schau mal, mein Kopf ist wieder ganz hell! Ich kann das ja!“

In diesem Moment ist die Sonne durchgebrochen. Die Mama im Hintergrund hat Tränen der Erleichterung in den Augen gehabt. Das sind die Augenblicke, in denen mein Herz weit über den Brustkorb hinausstrahlt. Verständlich, oder?


2. Der magische Wechsel von Druck zu Vertrauen

Herzensmomente passieren nicht nur im Stillen oder am Kinderschreibtisch, sondern oft in Augenblicken mutiger, innerer Entscheidungen.


Ein riesiger Herzensmoment in meiner eigenen Lebensreise war der Tag, an dem ich mir als Frau erlaubt habe, starre gesellschaftliche Schablonen und fremde Erwartungshaltungen abzustreifen. Ich traf die Entscheidung, mein fundiertes Wissen als Schulleiterin und Lebens- und Sozialberaterin mit all meinen eigenen Facetten, meiner Wahrnehmung und meiner Intuition zu verbinden.


In der Psychologie sprechen wir hierbei von der Wiedererlangung von Selbstwirksamkeit (vgl. Bandura, 1977) und der Erfüllung grundlegender psychologischer Bedürfnisse nach Autonomie und Kompetenz (vgl. Deci & Ryan, 2000).


In meiner täglichen Arbeit mit Klientinnen erleben wir diesen Wendepunkt immer wieder. Es ist der Moment, in dem eine Frau in der Beratung plötzlich spürt, dass sie nicht mehr für alle anderen funktionieren muss. Wenn eine Klientin zum ersten Mal ein klares, liebevolles „Nein“ nach außen spricht, um ein inneres „Ja“ zu sich selbst zu schützen, verändert sich ihre gesamte Haltung. Zu beobachten, wie Menschen aus dem ständigen hamsterradartigen „Müssen“ in ein ruhiges, kraftvolles und selbstbestimmtes Erschaffen finden, erfüllt mich mit einer tiefen Demut.


3. Der Moment des Durchatmens in der Natur

Im hektischen Trubel unseres Alltags vergessen wir nur zu leicht, wie schnell wir uns von unserem eigenen biologischen Rhythmus entfernen. Wir funktionieren im Takt von Uhren, Deadlines und Terminkalendern.


Für mich persönlich ist deshalb mein tägliches Morgen-Ritual ein unendlich wertvoller Herzensmoment: Dieser eine Moment in der Früh, wenn die Morgensonne aufgeht, die Luft im Burgenland noch nicht brütend heiß ist, ein Tropfen erdendes Öl in meinen Handflächen verrieben wird und ich einfach nur drei tiefe Atemzüge nehme. Kein Handy, keine To-Do-Liste und kein sonstiges Krimskrams. Nur das pure Sein im Hier und Jetzt. Und ein Räucherstäbchen, das ich jeden Morgen als Guten-Morgen-Ritual anzünde - als Zeichen der Dankbarkeit.


Aus der Umweltpsychologie wissen wir um die regenerative Wirkung von Naturimpulsen auf das vegetative Nervensystem (Kaplan & Kaplan, 1989; Attention Restoration Theory). Aus solchen kleinen, täglichen Mikromomenten ziehen wir die Resilienz, um auch in stürmischen Zeiten standhaft und gelassen in unserer Mitte zu bleiben.


Wie spüre ich, dass gerade ein Herzensmoment geschieht?

Ein echter Herzensmoment kündigt sich selten über den Verstand an. Er wird nicht berechnet oder rational analysiert. Er passiert direkt im Körper über die Aktivierung des ventralen Vagusnervs (vgl. Polyvagal-Theorie nach Porges, 2011):


  • Die Brust öffnet sich: Die Enge im Brustkorb weicht einer wohltuenden Weite und Wärme. Ein inneres positives Gewitter breitet sich im Körper aus.

  • Das Gesicht entspannt sich: Ein unwillkürliches, weiches Lächeln breitet sich auf den Lippen aus (Aktivierung des Musculus zygomaticus major).

  • Der Atem verändert sich: Der Atem stockt nicht mehr flach im Brustraum, sondern fließt wieder tief, ruhig und mühelos bis in den Bauch.

  • Gedankenstille: Der innere Kritiker und das ständige Gedankenkarussell halten für einen klaren Augenblick inne.


Es ist, als würde unser gesamtes Nervensystem für eine Sekunde aufatmen und uns ganz leise zuflüstern:


„DAS ist das Leben! Ach....ist es nicht schön?“

Mein psychosozialer Impuls für dich: Werde zum Herzensmoment-Sammler

Im oft durchgetakteten Alltag mit Kindern, im Berufsleben oder in herausfordernden Lebensphasen ist die Versuchung groß, gedanklich immer schon beim nächsten Problem zu sein, das gelöst werden muss. Wir jagen von Etappenziel zu Etappenziel und hoffen, dass die Entspannung irgendwann in der Zukunft auf uns wartet.


Aber die wahren Kraftquellen für unser seelisches Wohlbefinden liegen nicht erst am Zielstrich. Sie liegen rechts und links direkt vor unseren Füßen auf dem Wegesrand.

Ich möchte dich heute dazu einladen, deine Wahrnehmung wieder für die feinen Töne des Lebens zu schärfen. Werde zu einer Sammlerin oder einem Sammler von Herzensmomenten!


Vielleicht ist dein persönlicher Herzensmoment heute:

  • Der erste, ungestörte Schluck warmer Kaffee oder Tee am ruhigen Morgen.

  • Das befreite Lachen deines Kindes, wenn der schulische Druck von ihm abfällt.

  • Der mutige Moment, in dem du eine Grenze ziehst und Ja zu deinen eigenen Bedürfnissen sagst.

  • Das warme Gefühl von Sonnenstrahlen auf deiner Haut.

  • Ein bewusster, staunender Blick in den Abendhimmel vor dem Schlafengehen.


Wenn wir anfangen, diesen Augenblicken Aufmerksamkeit zu schenken, verändern wir nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern unser gesamtes Lebensgefühl.


Danke, liebe Marion Docekal, für diese wunderbare Blogparade und die wertvolle Erinnerung daran, dass wir das Leben nicht nur bewältigen und abarbeiten, sondern vor allem mit vollem Herzen fühlen dürfen!




Quellenverzeichnis:

Arnsten, A. F. T. (2009). Stress signalling pathways impair prefrontal cortex structure and function. Nature Reviews Neuroscience, 10(6), 410–422. https://doi.org/10.1038/nrn2648


Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215. https://doi.org/10.1037/0033-295X.84.2.191


Baumeister, R. F., Bratslavsky, E., Finkenauer, C., & Vohs, K. D. (2001). Bad is stronger than good. Review of General Psychology, 5(4), 323–370. https://doi.org/10.1037/1089-2680.5.4.323


Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2000). The "what" and "why" of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268. https://doi.org/10.1207/S15327965PLI1104_01


Fredrickson, B. L. (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions. American Psychologist, 56(3), 218–226. https://doi.org/10.1037/0003-066X.56.3.218


Hanson, R. (2013). Hardwiring happiness: The new brain science of contentment, calm, and confidence. Harmony Books.


Kaplan, R., & Kaplan, S. (1989). The experience of nature: A psychological perspective. Cambridge University Press.


Lupien, S. J., Juster, R. P., Raymond, C., & Marin, M. F. (2009). Effects of stress throughout the lifespan on the brain, behaviour and cognition. Nature Reviews Neuroscience, 10(6), 434–445. https://doi.org/10.1038/nrn2639


Porges, S. W. (2011). The polyvagal theory: Neurophysiological foundations of emotions, attachment, communication, and self-regulation. W. W. Norton & Company.



 
 
 

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